Von Berlin nach Tübingen – um die Resilienz von Beschaffungsstrategien zu analysieren

Krisenzeiten gab es in den letzten Jahren ausreichend. All die Krisen hatten auch einen Einfluss auf die Beschaffung von Strom und Gas – allen voran die Energiekrise nach dem Beginn des Ukraine-Krieges. Doch wie muss man seine Beschaffungsstrategien als Energieversorger anpassen, um optimal für solche Zeiten gewappnet zu sein? Und welche Beschaffungsstrategie weist die größte Resilienz auf?

Diesen spannenden Fragen ging unser aktueller Masterand in der Abteilung Erzeugungs- und Portfoliomanagement nach.

Claudio Bode ist gebürtiger Berliner und hat dort seinen Bachelor als Wirtschaftsingenieur für Umwelt und Nachhaltigkeit absolviert. Nach einem Praktikum bei einem Batteriehersteller für PV-Anlagen war er von der Energiebranche begeistert. So entschied er sich für sein Masterstudium Dezentrale Energiesysteme und Energieeffizienz an der Hochschule Reutlingen. Während den Vorlesungen wurde ihm SüdWestStrom als interessante Stadtwerke-Kooperation vorgestellt und so landete Claudio bei uns. Erst als Kurz-Praktikant, um in die Praxis der Beschaffung reinzuschnuppern und nun als Masterand. Das Thema hat er zusammen mit dem Abteilungsleiter Patrick Kruppa entwickelt: „Resilienz von Beschaffungsstrategien in Krisenzeiten – Fallbeispiel Energiekrise 2022“

Und was kam dann?

Als erstes hat Claudio seine vier relevanten Beschaffungsstrategien definiert: die strukturelle Beschaffung, vertikale sowie horizontale Tranchenbeschaffung und die Stichtagsbeschaffung. Er hat die historischen Preisverläufe von 2019 bis 2023 für Jahres- und Quartalsprodukte (Frontjahr) statistisch untersucht und in verschiedene Marktphasen eingeteilt. Anschließend wurden diese Marktphasen zu einer Preiszeitreihe komprimiert und mit einem definierten Basispreis sowie Zufallsvariablen kombiniert. So entstand ein simulierter Preisverlauf, der die typischen Preisniveaus von 2019 bis 2023 für die jeweiligen Stromprodukte abbildet. Die verschiedenen Strategien konnten dann mit einer Monte-Carlo-Simulation mehrere Handelssimulationen nachstellen. Diese ist ein mathematisches Verfahren, mit dem sich mögliche Ergebnisse eines ungewissen Ereignisses schätzen lassen.

Das alles wurde über Excel erstellt und am Ende hat Claudio einzelne Fragen gegengeprüft: Wie verändern sich die Risikokennzahlen? Wie verändern sich die unterschiedlichen Spreads innerhalb einer Strategie? Welche Strategie bringt den größten Deckungsbeitrag? Sein kurzes Fazit nach dem Kennzahlenvergleich lautet, dass es in Krisenzeiten keine „beste“ Beschaffungsstrategie gibt. Jede Strategie bringt Vor- und Nachteile mit sich, weshalb das jeweilige Risikoprofil eines Unternehmens entscheidend ist. Dennoch zeigen die Simulationsergebnisse, dass die strukturierte Beschaffung langfristig in Krisen besser abschneidet als die anderen Strategien.

Ein sehr spannendes Thema, vor allem mit Blick auf die Zukunft in einem sich ständig wandelnden weltpolitischen Umfeld.

Und wie findest du SüdWestStrom?

„SWS ist echt funny“, so Claudio. „Patrick als mein Betreuer ist mega gut und wahnsinnig fit in allen Themen. Zudem hat mich der Energiehandel echt fasziniert und ich konnte die historischen Daten und Simulationen von SWS perfekt nutzen.“ Claudio war auch bei unserer jährlichen Ski-Ausfahrt, organisiert vom Geschäftsführer Daniel Henne, dabei und fand sie „cool“. Hier sind alle sehr freundlich, es gibt „viel zu unternehmen abseits der Arbeit“. Auch wenn die Kolleginnen und Kollegen in seiner Abteilung meist schon einen Schritt weiter sind im Leben und viele Kinder haben, so war es für ihn eine schöne Zeit bei uns.

Herzlichen Dank und wir wünschen dir viel Erfolg für deinen weiteren Lebensweg.

 

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